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Geschichte

ISINLEIBA - ISANESHEIM – MARKT EISENHEIM

Eine historische Skizze

Eisenheim wird erstmals im Jahr 772 als „Isinleiba“ bzw. „Isleiba“ im Urkundenbuch des Klosters Fulda erwähnt.
Ein zweites Mal wird Eisenheim im Jahre 788 als „Isanesheim“ in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Fulda erwähnt.

Isleiba kann als Erbe bzw. Erbgut des Iso verstanden werden. Isan dürften ein direkter Nachkomme des Iso gewesen sein, was später zum Namen Isanesheim geführt hat.

Seit 531 hatten die Franken, die sich gegen die Thüringer durchgesetzt hatten, vom Westen her auch das Gebiet am Main in Besitz genommen. Die sogenannte „Verfrankung“ begann. Die fränkischen Könige hatten Ländereien an ihre Getreuen vergeben. Diese wiederum pflegten häufig die Kirche, vor allem Klöster zu bedenken. Der Codex Eberhardi, um 1150 in Fulda geschrieben, heute im Hessischen Staatsarchiv Marburg, verrät uns in Teil 1 Blatt 150, dass zwei Adelige, Matto und sein Bruder Megingoz, für ihren Todesfall zum Heilen ihrer Seelen, zur Sühne ihrer Sünden und zur Erlangung der zukünftigen Vergebung Eigentum in verschiedenen Gauen, darunter im Gau „Gozfeld“, und hier auch in „Suanefelt (Schwanfeld), Isanesheim (Eisenheim) und Pleihfeld (Pleichfeld)“, dem Kloster des heiligen Bonifaz in Fulda schenken. Matto und Megingoz gehörten zu einem der bedeutendsten Geschlechter Ostfrankens, den Mattonen, welche vielleicht auch in Verbindung zum späteren Haus Castell stehen.

Der Name Isanesheim bedeutet wohl: eine ständige Niederlassung (-„heim“) dieses fränkischen Siedlers namens Isan. Vermutlich ist die Siedlung aber älter als ihre erstmalige Nennung in einer schriftlichen Quelle. Auch in Stiftungsurkunden des 9. und 10. Jahrhunderts begegnet der Name des Ortes. 819 wird als im Gau „Folcfeld“ (Volkfeld) gelegen bezeichnet: Randlage an der Grenze von Verwaltungseinheiten nicht erst heute, sondern bereits vor der Jahrtausendwende!

Die Grafen von Castell haben einen großen Teil der Fuldaischen Güter an der Mainschleife erworben. So wird für 1225 ein Graf Ruprecht von Castell im Besitz der Vogteirechte von Isanesheim genannt. Das Wappen des Hauses Castell, die Rot-Silber-Vierung, findet sich im neuen Gemeindewappen von Markt Eisenheim, der Abtstab stellt den heraldischen Bezug zum Kloster Ebrach her, das im Mittelalter ebenfalls hier, besonders in Kaltenhausen, über Rechte und reichhaltigen Grundbesitz verfügte. Zu nennen sind auch die Klöster Maidbronn und Heiligenthal, das St. Stephansstift zu Bamberg als Patronatsherr der Pfarrei, die Herren von Grumbach und schließlich der Fürstbischof von Würzburg.

Zu welchem Zeitpunkt die Entwicklung hin zu zwei selbstständigen politischen Gemeinden "Isenheim superior" und "Isenheim inferior" (also Ober- und Untereisenheim) mit einer Teilung der Markung ihren Abschluss fand, lässt sich nicht genau feststellen, mit größter Wahrscheinlichkeit jedoch Ende des 13. Jahrhunderts: Denn in den Quellen begegnet erstmals für das Jahr 1291 die Bezeichnung "Obern-Eysentzheim". Sicher ist dieses – vielleicht wegen des Main-Übergangs – der bedeutendere Siedlungskern gewesen, denn Untereisenheim bleibt lange, bis 1469, eine Filiale der Pfarrei Obereisenheim.

Wiederholt wurden Obereisenheim von den Grafen von Castell und Untereisenheim von den Fürstbischöfen von Würzburg, in deren Besitz letzteres endgültig 1335 durch Kauf von Herold und Götz aus dem Geschlecht der Füchse zu Schwanberg gekommen war, aus Geldnot veräußert und verpfändet. Doch immer wieder kauften Castell wie der Fürstbischof "ihr" Dorf am Main bzw. die verpfändeten Rechte zurück. Aufgrund der Vogteirechte blieb für die Zukunft das Haus Castell für Obereisenheim maßgeblich, das Hochstift Würzburg für Untereisenheim.

Das 15. Jahrhundert brachte für Untereisenheim zwei bedeutende Ereignisse: Am 2. April 1464 kaufte die Gemeinde vom Kloster Ebrach dessen Hof Kaltenhausen, der damals "auf dem Berg" lag mit einer eigenen Markung von rund 880 Morgen, hauptsächlich Ackerland. (1513 fiel auch die Mühle, an der Stelle der späteren, 1831 gegründeten Brauerei gelegen, an den Ort.) Infolge des Vertrages der Gemeinde mit dem St. Stephansstift zu Bamberg vom 9. März 1469 – Fürstbischof Rudolf von Scherenberg bestätigte die Vereinbarung – wurde "Niedereyhsentzheim" eigene Pfarrei. Der Mutterpfarrei zu Ehren hatten die Untereisenheimer jährlich wenigstens einmal nach "Obereyhsentzheim" zu wallfahren, nämlich an dessen Patronatsfest, dem St. Ulrichstag.

Im Bauernkrieg beteiligten sich auch Eisenheimer aus beiden Orten an den Aufständen der Bauern an deren Emanzipationsbestrebungen. Vor den Toren Würzburgs standen sie im "vendlin" (Fähnlein) von Hauptmann Buthner aus Volkach. Die Grafen Johannes und Wolfgang von Castell konnten Obereisenheim gerade noch vor dem großen Strafgericht des Würzburger Fürstbischofs bewahren. Aber 1553, als Graf Georg von Castell sich auf Seiten des Markgrafen Albrecht Alkibiades von Brandenburg-Kulmbach in dessen Unternehmen gegen das Hochstift Würzburg verwickeln ließ und die Truppen des Fürstbischofs Rache an Castell’schen Orten nahmen, wurde das Dorf an einem Tag gleich zweimal geplündert.

Das Gedankengut Martin Luthers ergriff auch unsere Landschaft. 1546 war in Castell von Graf Konrad die religiöse Entscheidung für die neue Lehre endgültig getroffen worden. Nach dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 (cuius regio eius religio) führte der Graf die Reformation auch in seinem Herrschaftsbereich ein: die Bevölkerung Obereisenheims hatte es übrigens gewünscht. 1559 wurde die Pfarrstelle mit einem evangelischen Pfarrer, Georg Marius, besetzt. Da die Pfarrei nun evangelisch war, verkauften 1566 die Stiftsherren von St. Stephan in Bamberg ihr Kelterhaus, ihren Zehnt und ihr Patronatsrecht in Obereisenheim dem Fürstbischof von Würzburg, Friedrich v. Wirsberg. 1579 erließ der Graf die neue Dorfordnung für Obereisenheim, welche auch die Verpflichtung auf die Augsburger Konfession enthielt. 1583 schließlich wurde auf einer Konferenz aller Pfarrer des Castell’schen Herrschaftsbereiches die württembergische Kirchenordnung angenommen.

Wie in Fahr und Escherndorf sympathisierten auch in Untereisenheim viele Einwohner mit dem neuen Evangelium. In einem Kirchenvisiationsbericht von 1576 heißt es, dass der lutherische Katechismus in der Kirche und in der Schule gelesen, das Fronleichnamsfest nicht gehalten, keine Hochzeit kirchlich geschlossen wurde. "Die Leute liefen nach Obereisenheim". Die Situation änderte sich mit Julius Echter als Fürstbischof von Würzburg. Er ließ den bischöflichen Schultheißen in Untereisenheim hart verfahren: 1586 wurden die Häuser der Evangelischen, die inzwischen nach Obereisenheim geflüchtet waren, versperrt und versiegelt: auf Bitten des Grafen von Castell überließ Echter den Geflüchteten noch die Ernte. Im Übrigen hatten sie, wenn sie sich weigerten, katholisch zu werden, binnen kurzer Zeit Haus und Hof zu verkaufen und "auszuwandern".

Um 1600 waren die beiden Eisenheim-Orte hochfürstliche Kammerdörfer. Ausgiebige Zehntrechte standen zum Leidwesen der Grafen von Castell auch in Obereisenheim dem Fürstbischof von Würzburg zu. Seit langer Zeit gehörten beide Orte zum Zehntgericht des Hochstifts Würzburg in Wipfeld-Klingenberg, für das sie je zwei Schöffen zu stellen hatten. Von dort aus wurde die hohe Gerichtsbarkeit, die auch den Blutbann um fasste, ausgeübt. Leichte Frevel wurden jeweils im Dorfgericht verhandelt.

Nach Untereisenheim konnte man durch das Ziegel-, Glocken- oder Maintor gelangen: Im ersten wohnte der Flurer, im zweiten der Gemeinde-Gerichtsknecht, im dritten die Ammenfrau. Dazu gab es folgende gemeindeeigenen Gebäude: Schmiede, Schule, Hirtenhaus, Backhaus, Ziegelhütte, Mühle zu Kaltenhausen, Badstube. Auch in Obereisenheim, welches man durch das Torhaus am Hertleinsberg, das Main- oder Fischtor betrat, gab es natürlich entsprechende Einrichtungen.

Der Dreißigjährige Krieg traf beide Orte hart. Ab Januar 1627 waren 40 Mann und 80 Pferde für 23 Wochen in Obereisenheim einquartiert. Ähnliches wiederholte sich 1628 und 1631. Untereisenheim wurde einige Male von Truppen und Räuberbanden geplündert. 1645 sind die Obereisenheimer auf der Flucht vor kaiserlichen Truppen: Der katholische Pfarrhof zu Untereisenheim nahm den evangelischen Pfarrer Georg Hartmann mit seiner Familie auf. 1646 wird ihm "inexilio" eine Tochter geboren.

Das 18. Jahrhundert ließ sich freundlicher an. Wohlstand und Blüte des Handwerks in Obereisenheim wurden begünstigt durch die Marktgerechtigkeit, die Graf Johann Friedrich, ein fürsorglicher Landesvater, 1739 dem Ort verliehen hatte. (Noch im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts wurden viel Kram- und Schweinemärkte abgehalten.) Im Jahre 1756 vollendete Untereisenheim den Neubau seiner Pfarrkirche. Die prachtvolle Innenausstattung weist Werke bedeutender fränkischer Künstler des Spätbarock auf. In Obereisenheim erhielt die Friedhofskapelle ihre heutige Gestalt.

Als sich 1796 die französische Sambre- und Maas-Armee unter General Jourdan Richtung Wien bewegte, hatten die Dörfer erneut zu leiden. Eine Menge Kanonen wurden "um den Kalteheußer Berg herum und dann um die Untereisen- und Obereisenheimer Hertleinsberg..." aufgestellt. Aus dem Obereisenheimer Gotteshauskeller musste der Wein eimerweise ausgeschenkt werden: Die gemeinen Soldaten erhielten einfachen 1794er, die Offiziere aber 1783er und 1785er. In Untereisenheim geschah es nicht anders.

Bald erlosch die Landeshoheit der Grafen von Castell wie auch des Hochstifts Würzburg. Das fränkische Land fiel mit der Mediatisierung im Zuge der Neuordnung zur Zeit Napoleons an das Königreich Bayern. Bis 1849 waren für Obereisenheim noch das Gericht und die Polizeibehörde Rüdenhausen zuständig, dass das Königliche Landgericht Volkach. Ab 1871 unterstanden Ober- und Untereisenheim dem Bezirksamt Gerolzhofen. Beide Orte gründeten 1868 bzw. 1871 ihre Freiwillige Feuerwehr. 1909 gab es in beiden Dörfern eine ortseigene Wasserleitung. Der Bahnhof Untereisenheim sorgte für den Anschluss an die "große Welt".

Um die Jahrhundertwende zählten beide Gemeinden je ca. 600 Einwohner. Zu ihnen gehörten in Untereisenheim auch jüdische Mitbürger (1897: 33 Personen). Diese jüdische Gemeinde, mit einer 1868 erbauten Synagoge, existierte bis 1938 und löste sich noch vor der Reichspogrommacht auf.

Unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg stieg die Einwohnerzahl der beiden Orte für einige Jahre stark an durch den Zustrom von Evakuierten, Flüchtligen, Vertriebenen. Eine Beschäftigung hauptsächlich im Dienstleistungs- und Industriebereich der Städte Schweinfurt und Würzburg veranlasst heute viele Einwohner, als Pendler tagsüber das Dorf zu verlassen.

Der Weinbau hat in Eisenheim eine lange Tradition. Viele große Keller beweisen es.

Im 16. Jahrhundert reichten die "Weingärten" jeweils bis vor die Tore. Als 1566 das Hochstift Würzburg vom St. Stephansstift zu Bamberg dessen Zehnthof in Obereisenheim , in welchem der dem Stift zustehende Weinzehnt beider Orte gekeltert und aufbewahrt wurde, gekauft hatte, ließ es 1583 Keller- und Hof-Gebäude neu errichten. Für das Jahr 1588 ist ein blühender Weinhandel belegt. Vom Hochstift wurde auf den Wein von Unter- wie auch von Obereisenheim der Güldenzoll erhoben, um 1600 von dem zu Untereisenheim bestellten Zöllner bei der Hofkammer in Würzburg verrechnet. Für Untereisenheim heißt es 1595, dass keine Bannweinauflage zu entrichten sei, die die Untertanen verpflichtet hätte, nur den Wein der Herrschaft zu einem von ihr bestimmten Preis feilzubieten. Daraus können wir schließen, dass jeder das Recht hatte, seinen Wein selbst auszuschenken. Doch war es verboten, fremden Wein einzulegen, denn schließlich sollte ja der ortseigene Wein verkauft werden.

Die Kirchenstiftungen sowohl von Ober- wie von Untereisenheim hatten in ihren Kellern häufig sehr bedeutende Bestände: so Obereisenheim im Jahre 1593 über 20 Fuder (= 240 hl), darunter noch 10- bis 20jährige Weine! Der "goldene Tropfen" wurde weit verkauft, bis nach Thüringen und Sachsen.

Mit der Gebietsreform 1978 kamen beide Ortsteile vom Landkreis Gerolzhofen zum Landkreis Würzburg. Seit 1.5.1978 bilden Ober- und Untereisenheim eine Gemeinde. Sie feierte 1988 als Gemeinde Markt Eisenheim ihr Jubiläum "1200 Jahre Isanesheim – Eisenheim".